Ausstellung

RhyCycling – Grenzraum im Fluss
Eine Ausstellung am Basler Hafen

Basel ist geprägt vom Rhein. Brücken, Schiffe, Uferwege und Industrien kennzeichnen das urbane Landschaftsbild. Der Rhein steckt als fliessender Grenzraum die Gemeinde-, Kantons- und Landesgrenzen ab und wird unterschiedlich genutzt. Er ist ein Mikrokosmos, dessen Vielfalt letztlich vielen von uns unbekannt ist.

Ende 2010 machte sich ein interdisziplinäres Forschungsteam der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW auf, diese vielfältigen Rheinnutzungen sowie deren oft überraschende Verflechtungen zu untersuchen. Zwei Jahre lang wurde das Leben im und um den Rhein mit Video- und Audioaufnahmen dokumentiert und befragt. Der Rhein und seine Umgebung bei Basel wurden dabei als Netzwerk und Kommunikationssystem von menschlichen und nicht-menschlichen AkteurInnen verstanden, in dem sich unterschiedliche Interessen, Konflikte und zukunftsgerichtete Lösungsansätze manifestieren. Diese sicht- und hörbar zu machen und auf vielfältige Weise zur Darstellung zu bringen, war ein Ziel des Projekts. Beispielhaft lässt sich zeigen, wie verschiedene Menschen, Tiere, Pflanzen, Technologien und Dinge gemeinsam einen Raum prägen und gestalten. Und es lässt sich zeigen, dass ein Raum, so geografisch geschlossen er zunächst erscheint, dennoch nichts Vorgegebenes und Festes ist, sondern erst durch die Beteiligten zu dem wird, was er ist, und somit auch stets verändert werden kann: Der Basler Grenzraum ist am Fluss und im Fluss. Als solcher liefert er auch Möglichkeiten für nachhaltige Zukunftsvorstellungen: ein Leben am Rhein, am „Rhy“, das sich so recycliert, dass es im Idealfall keinen Abfall mehr produziert.

Inhaltlich konzentrierte sich das Projekt auf die Aspekte Fischfauna, Energie und Ufernutzung. Speziell interessierte dabei, ob die Rheinnutzung am Dreiländereck zukunftsträchtig ist und ob die AkteurInnen ökologisch nachhaltig sowie politisch aktiv denken und handeln. Das Forschungsteam begegnete dabei vielen engagierten Menschen, führte filmische Gespräche, beobachtete Arbeitsabläufe und Aktivitäten über und unter Wasser. Es versuchte, diesen Rheinabschnitt aus einer Perspektive der Diskurse um Ökologie und Nachhaltigkeit – von naturwissenschaftlichen bis zu medienkünstlerischen – näherzubringen. Und es wollte die Sinne für das, was zusammenhängt oder verborgen ist, schärfen und öffentlich zugänglich machen.

In zwei Workshops wurde mit den Projekt- und ForschungspartnerInnen, die aus unterschiedlichen Bereichen wie städtischen Ämtern, Universitäten, privaten Firmen, Kunst und Design stammen oder NGOs sind, über Nachhaltigkeitsmodelle und zukünftige Szenarien für den Basler Grenzraum debattiert. Dabei zeigte sich deutlich, dass intensiv darüber nachgedacht wird, wie die aktuelle Situation im Hinblick auf eine nachhaltige Lebensführung verbessert und verändert werden kann und wie man ins Handeln kommt.

Zahlreiche dieser Gedanken sind in der Ausstellung zu finden, wo die umfangreiche audiovisuelle Forschung im Herbst 2012 öffentlich gemacht wird: Eine interaktive Computerplattform präsentiert die gegenwärtig vorgefundene Situation und steht in der Ausstellung als Bindeglied zu Rauminstallationen, wo zukünftige Vorstellungen und Szenarien zum Basler Grenzraum verhandelt werden. Die Heterogenität dieses Raumes spiegelt sich wider in den insgesamt rund 100-minütigen Videos, den Soundessays zu Basler Brücken, Zitaten, Grafiken und Statistiken.

Wer die Plattform benützt, kann sich in Eigenregie durch diese Materialien wählen und entdeckt mit der Zeit einzelne Facetten, Zusammenhänge und Abhängigkeiten. Dabei entsteht eine offene „Dramaturgie“ von Versuchen, Möglichkeiten, Annäherungen. Oder anders gesagt: Ein permanentes RhyCycling, im Fluss.

Am selben Ort zeigt der Kanton Basel-Stadt in Zusammenarbeit mit den Schweizerischen Rheinhäfen diverse Arbeitsunterlagen zur trinationalen Hafen- & Stadtentwicklung „3Land“, welche ebenfalls das Potential des Lebensraums Rhein auf städtebaulicher Ebene zeigen.